Schulhilfe

Bei unseren Besuchen in den Dörfern im Urwald werden Sorgen und Nöte an uns herangetragen, die weit über die medizinische Versorgung hinaus gehen. Dazu gehört auch das Bedürfnis nach schulischer Grundbildung.
 

Schulen im peruanischen Urwald  

Viele Dörfer haben sich mit der Bitte um Unterstützung für den Aufbau einer Schule an den Freundeskreis gewandt. Der peruanische Staat bezahlt die Lehrer, aber nur ab einer bestimmten Zahl an Schülern und wenn das Dorf über mindestens 2 jahre selbst die Aufrechterhaltung der Schule und die Versorgung eines Lehrers gewährleistet hat..

Der Freundeskreis Indianerhile e.V. unterstützt seit einigen Jahren Gemeinden bei diesen geforderten Vorleistungen zum Aufbau der eigenen Schule. 5 biligual ausgebildete Lehrer werden vom FKI bezahlt, sie bekommen 200 Soles pro Monat, das sind etwa 50 Euro. Arbeitsmaterial für einen Schüler kostet 25 soles im Jahr, dazu kommt noch Material für den Lehrer. Das wird vom Freundeskreis bezahlt - den Bau der Schule müssen die Dorfbewohner selbst leisten. Ziel des Freundeskreises ist es, dass nach dieser Aufbauhilfe der peruanische Staat die Schule finanziell trägt.  
 

Schulen helfen Schulen  

Für diese zusätzliche Arbeit braucht der Freundeskreis Unterstützung. So begann das Projekt "Schulen helfen Schulen": Es wird nach Schulen in Deutschland gesucht, die für eine Schule im peruanischen Urwald eine Patenschaft übernehmen.

Die Steinenbergschule, eine Grund- und Hauptschule in Stuttgart Hedelfingen, hat eine Patenschaft zu Alto Zungaroyali aufgenommen, einem kleinen Dorf am Rio Pichis mit 5 Häusern. Die anderen Familien (insgesamt 8 Familien mit 48 Einwohnern) wohnen bis zu 2 Stunden entfernt. Es gibt dort keinen Strom, weder Radio noch Fernsehen, keinen Brunnen. Gekocht wird am offenen Feuer. Die Menschen leben von der Jagd und dem wenigen, was sie in den Chakras (Feldern) um ihre Häuser anbauen. Sie gehören zum Volk der Ashanincas.

Die Schule ist 9 auf 4 Meter groß, sie hat keinen Boden, zunächst auch keine Stühle und Tische. Als "Schultische" wurden auf Pfosten Bretter gelegt, die für den Ordnungsdienst an die Wand gestellt werden, damit Platz für den Reisigbesen ist. Die Schüler sitzen auf dünnen Brettern auf der Erde. Unterrichtet werden zu Beginn 22 Schüler in 3 Lerngruppen.
 

Was hilft den Dörfern im peruanischen Urwald?

Es gibt in unserer heutigen Welt keine einsamen Inseln mehr. Die Menschen können und wollen nicht vor der "Zivilisation" geschützt werden. Sie wollen sie kennenlernen und selbst entscheiden, wie sie leben - auf traditionelle Weise oder wie auch immer. Wer keine schulische Bildung hat, geht in den Städten unter, wenn er sich für sie entscheidet.

Eine Schule zu haben ist auch für das alltägliche Leben wichtig: Nur so erhalten die Kinder das nötige Wissen, um in der nächsten Stadt beim Einkauf bestehen zu können. Eine Schule zu haben erhöht den Wert eines Dorfes: Niemand braucht fort zu gehen, um etwas zu lernen. Und vor allem: Die Schulen sind zweisprachig. Die Lehrerin in Alto Zungaroyali ist selbst Ashaninca. Den Kindern wird das Selbstbewusstsein vermittelt, dass die eigene Sprache, die eigene Geschichte, die eigene Kultur den selben Stellenwert haben wie die der Spanier und der Inkas.
 

Schulpatenschaften: Zur Nachahmung empfohlen  

Ein erstes Ergebnis brachte das Engagement bereits in Alto Zungaroyali: Durch eine Spende aus Stuttgart konnten sich die Dorfbewohner eine Säge leihen sowie Nägel und Benzin kaufen, um Tische und Bänke für die Schule zu bauen. Gesammelt wird jetzt in Stuttgart für den Neubau der Schule, denn ein benachbartes Dorf will auch seine Kinder nach Alto Zungaroyali schicken, die Schule wird also langsam zu klein.

Für die Schüler in Stuttgart ist dieses Projekt ein Stück Entwicklungshilfe als praktische Selbsterfahrung: Sie leisten einen Beitrag zur eigenständigen Entwicklung eines Dorfes in Selbstbestimmung, und werden gleichzeitig darauf aufmerksam, dass das Leben auf diesem Planeten keineswegs dem entsprechen muss, was man als Europäer von ihr zu wissen meint.

Schulen, die diese Erfahrung selbst machen wollen, können sich an den Freundeskreis wenden.