07.12.2015

RiPa 2015 der ASS-Kassel erbrachte über 16000 €

 

 

 Die Mitwirkenden am Freitagabend

„Gehen oder bleiben?“ - Ein mehr als aktuelles Thema, das am Freitagabend in der Aula im Mittelpunkt eines bewegenden Abends stand. Selten war ein Abend so konzentriert - und das nicht nur auf die Inhalte bezogen, die von den Klassen 5 und drei Schülerinnen aus der Jahrgangsstufe Q1 umgesetzt wurden, sondern auch in Bezug auf die Darstellungsformen und nicht zuletzt hinsichtlich der Haltung der etwa 320 Gäste in der mehr als gut gefüllten Aula.

Die beiden Moderatorinnen, Marisa Hempelmann und Johanna Wieditz aus der Jahrgangsstufe 9, führten mit viel Warmherzigkeit und sicher durch den Abend, der von Herrn Riehl eingeleitet wurde mit den Worten: „Angesichts der dramatischen Bilder der Flüchtlinge auf der Balkanroute, die die Medien und unser Denken seit Monaten bestimmen, wollen wir mit dem Thema ‚Gehen oder Bleiben?‘ eine Brücke schlagen zwischen den flüchtenden und heimatlosen Menschen an den europäischen Grenzen und dem kleinen Volk der Urarinas im Quellgebiet des Amazonas.“

 

Schon zu Beginn begeisterten die musikalischen Darbietungen der Fünftklässler unter Leitung von Frau Klee und das getanzte Motto des Abends (arrangiert von Frau Salwiczek).

Durch die thematischen Impulse (gesungen, getanzt, vorgelesen und vorgetragen) war die Einführung von Dr. Bernhard Rappert, dem Vorsitzenden des „Freundeskreises Indianerhilfe“, sehr gut vorbereitet.  Dr. Rappert berichtete vom Leben am Rio Pachitea und von den jüngsten Entwicklungen der Arbeit der „Clininca Tucunaré" am Rio Chambira. Nicht nur die Zahlen beeindruckten: 57 Dörfer betreut die Klinik mit einigen tausend Menschen, viele Stunden, zum Teil sogar Tage braucht man zu den entlegenen Bereichen. Immer wieder erkranken die Menschen an Malaria oder anderen Tropenkrankheiten, die meisten Menschen erreichen das Alter von 60 Jahren nicht.

Und natürlich stellt sich - wie weltweit seit Langem - die Frage auch für viele Urarinas: „Gehen oder bleiben?“ Das wurde szenisch aufbereitet und erstaunlich umfassend präsentiert von der Klasse 5 von Frau Dettmar.

 

In einem der Texte aus den Tiergeschichten der Klasse 5c von Frau Deichmann-Jost hieß es:

„Dann zogen Sie fort –

ganz ohne Wissen von dem Ort.

Sie mussten ja irgendwo leben,

sonst könnten sie ihr Leben dem Tode gleich übergeben."

Unglaublich, wie diese Zehn- und Elfjährigen Weltthemen auf den Punkt brachten. Und an anderer Stelle schrieben sie über das Ziel des Fortgehens:

„Ich möchte es nicht wissen,

aber den Ort werde ich vermissen.

Weg zu gehen war sehr schwer,

denn sie wussten:

Sie sehen das Heimatland nimmermehr."

 

Die Klasse 5d von Herrn Dr. Maset stand geschlossen auf der Bühne und wollte ihre Wünsche für die Kinder am Rio Chambira und für alle anderen Kinder auf der Flucht mit dem Publikum teilen. In ehrlichen Worten und rührender Sorge trugen sie ihre Hoffnung vor,

o  dass die Kinder der Urarina gesund geboren werden,

o  dass sie weiter im Urwald leben können und sich die Stadt nicht noch mehr zu ihnen ausbreitet.

o  dass die Flüchtlinge es sicher über das Meer schaffen und die Familien nicht getrennt werden.

 

Nachdenklich stimmten die kritischen Positionen von Sina Ehle, Zoe Bunje und Esther Röcher.

Esther zeigte uns allen auf, dass wir kritisch auch mit der eigenen Haltung umgehen sollten:

„Denn die meisten Flüchtlinge wollen gar nicht im Exil bleiben und hoffen auf eine Besserung in den Ländern, in denen unser Land den Krieg mit der Waffenindustrie unterstützt. Der Terror in Paris, der auf der ganzen Welt eine Solidaritäts- und Mitleidswelle auslöste, ist bei ihnen nur grausamer Alltag.

Da fragt man sich, warum es ausreicht, ein solches Mitgefühl zu wecken, wenn 120 Europäer sterben, und warum die Anzahl der  2000 Flüchtlinge, die allein in diesem Jahr im Mittelmeer ums Leben gekommen sind, nicht Ähnliches auslöst.“

Sina stellte wichtige Fragen, die sich einer (vor-)schnellen Antwort entziehen:

„Denn da ist die Angst vor dem Unbekannten, dem Ungewissen, die Angst zu gehen, doch gleichzeitig auch die Angst zu bleiben. Es scheint Mut zu fordern in eine ‚neue Welt‘ aufzubrechen und alles Bekannte aufzugeben. Doch kann man daraus schließen, dass die, die bleiben, feige sind und sich einfach nicht trauen zu gehen? Oder beweisen gerade sie Tapferkeit, indem sie sich der Ungewissheit ihrer Zukunft dort stellen und versuchen ihre Heimat und ihre Kultur, so schwer es auch sein mag, aufrechtzuerhalten.“

All das mündete in Zoes Appell nicht nur an die Gäste in der Aula, sondern an uns alle:

„Ich öffne meine Augen. Ich sehe eine Welt voller Hass, eine Welt geprägt von Armut, Hunger, Not und Ignoranz. Ich schließe meine Augen. Ich hoffe, dass sich etwas verändert in diesen wenigen Sekunden, in denen ich nichts mitbekomme und doch so viel passiert. Ich öffne meine Augen und alles Schlechte ist noch da. Ich denke darüber nach, meine Augen erneut zu schließen, so wie alle anderen auch. Doch ich möchte nicht wie die anderen sein. Ich möchte nicht auf mein Leben zurückblicken und bemerken, dass ich all diese Jahre lang blind war. Blind für die Menschen die Hilfe brauchen. Blind für all das, was wirklich wichtig ist. Denn wir sind stärker als Fremdenhass, Angst und Unwissen! Deshalb müssen wir unsere Augen öffnen, um all das zu sehen, was zu sehen so unangenehm ist, denn das ist der einzige Weg diese Welt zu verändern.“

 

Bei aller Bewegtheit und Betroffenheit, bei aller Ernsthaftigkeit im fast zweistündigen Programm kam auch anderes nicht zu kurz. Und es fehlte nicht an humorvollen Momenten, etwa als in einer der selbstgeschriebenen Tiergeschichten der alte Eber Albert den „Alten Schweine-Stall (ASS)“ bewacht oder als Dr. Rappert eines der Haustiere am Rio Chambira zeigte, ein Faultier, das mitten im Fressen einschlief.

 

Am Schluss des Abends verabschiedete die Band die Menschen unplugged mit zwei wunderschönen Liedern nach Hause.


Kaum zwölf Stunden später sah sich die abendliche Gemeinschaft wieder …

Pünktlich zum RiPa-Tag am Samstag setzte adventlich der Schneefall ein. Ein Weiß überzog die Wege hin zu den Gebäuden, in denen sich die Klassen und Kurse in den letzten Wochen auf den Tag vorbereitet hatten. Überall spiegelte sich die Adventszeit wider. Und das Angebot war auf bewährte und vertraute Weise umfassend, insbesondere das leibliche Wohl betreffend.

 

Schon vor dem eigentlichen Beginn um 10.00 Uhr füllten sich die Flure und Räume. Mit allen Sinnen konnte wahrgenommen werden, was den Menschen geboten wurde: Da erklangen Melodien auf den Fluren, „Fliegende Händler“ boten auf dem Hof ihre Waren feil, überall wurden Handelsgespräche geführt und an so vielen Orten saßen die Menschen zusammen, um miteinander Zeit zu verbringen. Da roch es nach Glühwein und Kaffee, Crepes und Waffeln, Suppen und asiatischen Nudeln und so vielem mehr. Da glitzerte es und leuchteten kräftige rote Weihnachtsbaumkugeln, grüne Mistelzweige und bunte Karten, vielfarbige Bänder, Engel, Weihnachtsmänner, Elche, kunstvolle Drucke von Albert Schweitzer und was sonst noch gebastelt und gemalt worden war:  eine vielfarbige Collage des Engagements.

 

Und immer wieder gab es Gespräche über den Themenabend zuvor und darüber, was wir tun können, um unserer Verantwortung für jene Menschen nachzukommen, die es in diesen Zeiten aus ihrer Heimat vertreibt, die Verluste tragen und Entbehrungen auf sich nehmen müssen.

 

Gemeinsam hat sich die Schulgemeinschaft auch dieses Jahr diesem Anspruch verpflichtet. Und so mancher Euro wurde mehr ausgegeben, als eigentlich geplant, im Wissen um den guten Zweck. Und so stand schon am Abend fest, dass wir die Vorjahressummer von fast 14.000 Euro deutlich übertreffen werden.

Herr Riehl, der mit dem Vorbereitungsteam für die Organisation verantwortlich ist, schrieb: „Manchmal denkt man, es geht nicht besser, und dann erlebt man einen solchen Abend, einen solchen Aktionstag, der all das zusammenfügt, was in den Wochen mit viel Nachdenken und Engagement entwickelt wurde. Eine gemeinsame Aktion gegen die verstörenden Bilder in den Nachrichten der letzten Monate. Und dies alles in der Zeit der enormen Belastung aller.“

 

Und dann die erste Auszählung und die Gewissheit: 2015 überspringen die Einnahmen die 16.000 Euro-Hürde deutlich. Unglaublich. Und ein Zeichen gegen die Armut.

Der Freundeskreis Indianerhilfe hat es bereits in der Nacht zum Sonntag erfahren. Dr. Rappert schrieb in einer ersten Mail daraufhin zurück:  

Das ist echt toll! Vielen Dank an alle Beteiligten! Und natürlich freue ich mich ebenso sehr über die positiven Rückmeldungen! Wir im Freundeskreis waren uns schon am Freitagabend einig in der Bewertung: Es waren sehr gelungene Beiträge! Der Bogen Chambira zu uns und der Situation der Flüchtlinge war sehr gut gespannt! Danke!“

 

Ein besonderer Dank gilt Frau Deichmann-Jost, Frau Wunderlich, Frau Jilg und Herrn Spahn für ihr Engagement im Vorbereitungsteam.

 

 

(Text: Hr. Alsenz/Hr. Riehl; Bilder: Hr. Alsenz/Vincent Iffland)

 

 

Noch einmal möchten wir auf die Bankverbindung für RiPa hinweisen. Denn es gibt sicher manchen, der noch im Nachhinein die Arbeit am Rio Pachitea unterstützen möchte.

Wenn Sie mögen, überweisen Sie bitte Ihre Spende auf das Konto des Fördervereins der ASS.  Schreiben Sie in das Feld Verwendungszweck: RIPA, Ihren Namen und Ihre vollständige Anschrift.  Frau Dümer, die Kassenwartin des Fördervereins, wird die Zusendung einer Spendenquittung veranlassen.

Kontodaten:

Förderverein Albert-Schweitzer-Schule e.V.

IBAN: DE97 5205 0353 0000 0423 30, BIC: HELADEF1KAS

 

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